Pfarrbrief 2018/03
8 Eucharistie „Ach, des mit den Oblaten“ war die Ant- wort, die ich einmal am Telefon bekam, als ich in einem Trauerfall erfragen sollte, ob die Beerdigung mit einer Heiligen Messe gewünscht ist oder nicht. Nach mehreren Anläufen, den Unterschied zwischen einer Heiligen Messe und einem Wortgottes- dienst zu erklären, bekam ich in breites- tem Schwäbisch diese Antwort. Und wenn ich ehrlich bin, war ich im ersten Moment erleichtert. Endlich hatte der Mann am Telefon den Unterschied verstanden. „Des mit den Oblaten“, das denken sich wohl viele. Ist doch eine immer größere Hilflosigkeit zu verspüren, wenn es um liturgische Bezeichnungen geht. Und rein augenscheinlich stimmt die Beschrei- bung sogar. Wenn wir die Heilige Messe feiern, dann bleibt Brot rein äußerlich Brot und Wein rein äußerlich Wein. Großes entdecken: Der wahre Schatz der Heiligen Messe Doch im Leben sind die wahren Schätze, ist das Große, für die Augen oft nicht sicht- bar. Wir Katholiken glauben, dass sich in jeder Heiligen Messe ein unsichtbares Wunder vollzieht: Dass in der Wandlung durch das Wirken des Heiligen Geistes aus Brot Leib Christi und aus Wein Blut Christi werden. Durch den Priester, der ganz besonders in diesem Moment der Heiligen Messe in Person Jesu Christi handelt und deshalb in der Ich-Form spricht („Das ist mein Leib“), verwandelt Gott die Gaben von Brot und Wein. Mit unseren Sinnen ist das nicht wahrnehmbar, wie es der heilige Thomas von Aquin in einem Hymnus zu Fronleichnam beschreibt: „Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir.“ Brot sieht weiterhin wie Brot aus. Wein schmeckt weiterhin wie Wein und würde bei übermäßigem Genuss auch weiterhin betrunken machen. Was sich verändert, ist das innere Wesen. In der Philosophie des Mittelalters sagt man dazu die Substanz. Heute bezeich- nen wir mit Substanz die Materie, aus dem ein Ding ist. Im Mittelalter dagegen meinte Substanz das innere Wesen einer Sache. Während die äußere Beschaf- fenheit, die sogenannten Akzidenzien, wie Aussehen oder Geschmack bleiben, ändert sich das innere Wesen von Brot
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